Toxische Beziehungen

Viele toxische Beziehung stehen im Zusammenhang mit Co-Abhängigkeit. Co-abhängig sind oft Partner von Süchtigen. Dabei spielt es keine Rolle um welche Art der Sucht es sich handelt (Alkohol, illegale Drogen, Essstörungen, Spielsucht, Medikamentenabhängigkeit usw.) Co-abhängige Partner unterstützen ihre abhängigen Lebenspartner (oder auch Kinder bzw. Eltern), indem sie alles dafür tun, dass der Abhängige weiterhin in seinen Mustern bleiben kann. so werden negative Folgen von Alkoholismus und Co. geduldet. Oft mit der "Ausrede", dass man ja doch nichts ändern kann. 

Man geht immer wieder auf Versprechungen ein, dass der Partner "alles im Griff habe" oder sich bald ändern möchte.Indem man den Partner nicht mit den Konsequenzen seiner Sucht konfrontiert (zum Beispiel: "Ich verlasse dich, wenn du dich nicht änderst"), hält man das abhängige Verhalten aufrecht. Anstatt dessen macht man sich bei aufkommenden Trennungsgedanken Vorwürfe, dass man den armen, kranken Mensch ja jetzt nicht im Stich lassen darf. Denn erstens, wenn er nicht trinkt, kifft, usw, ist er so ein liebenswerter, umgänglicher und toller mensch. Und zweitens heisst es ja schliesslich seit Menschengedenken 'In guten wie in schlechten Zeiten'.

Leider ändert sich aber selten von alleine etwas an der Situation. Nur die wenigsten Abhängigen ändern von alleine etwas an ihrer Abhängigkeit. Der Leidensdruck muss erst gross genug sein. Und dies wäre der Fall, wenn der Partner die Koffer packt.

In der Zwischenzeit, während all der Monate oder Jahre der Abhängigkeit, passiert sehr schleichend auch etwas mit dem zunächst überhaupt nicht abhängigen Partner. Nicht nur, dass er seinen abhängigen Partner mit Hoffnung auf eine bessere Zeit, Verheimlichen der Sucht vor Aussenstehenden, immer wieder Verzeihen, in dessen Sucht unterstützt, viel schlimmer als das: er verliert nach und nach den Bezug zu seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Und somit auch den Bezug zu sich selbst.

Wie kann so etwas passieren?

Indem man ständig den anderen beobachtet und kontrolliert, achtet man immer weniger darauf, was man selbst dabei fühlt. Durch die Lügen des Partners à la "Du spinnst wohl. Ich habe überhaupt nicht getrunken"oder "Was du dir immer einbildest. Du hast wohl zu viel Fantasie", zweifelt man irgendwann selbst an seinen Gedanken.

Hinzu kommt, dass sämtliche Bedürfnisse, wie beispielsweise einfach mal einen ruhigen, gemütlichen Abend mit dem Partner zu verbringen, hintenan gestellt werden. Und zwar meist so lange bis man selbst gar nicht mehr weiss, was einem jetzt gut tun würde.

Je mehr man den Bezug zu sich selbst verloren hat, desto mehr schlägt irgendwann der Körper Alarm. Man hat Magenschmerzen, Herzrasen, Schlafprobleme usw.

Bei vielen zeigen sich auch Panikattacken oder sie entwickeln diffuse Ängste. Die Auswirkungen sind so vielfältig wie immens. Aber da man ja ein guter Mensch ist, hält man tapfer durch und beschwert sich immer seltener.

 

Was sehr wichtig zu beachten ist. Nicht jede toxische Beziehung beinhaltet Co-Abhängigkeit im klassischen Sinne.

Was ich damit meine? Du musst nicht mit einem Alkoholiker oder Spieler zusammen sein, um in einer toxischen Beziehung gefangen zu sein. Emotionale Abhängigkeit kann auch entstehen, wenn du mit einem psychisch kranken, narzisstischen oder sonst in irgendeiner Art manipulativen Menschen zusammen bist.

Auch hier wird (ähnlich wie beim Zusammensein mit einem Süchtigen) ein bestimmter, immer wieder kehrender Ablauf deutlich:

Am Anfang der Beziehung sind solche Partner wahre Engel auf Erden. Nie hattest du eine bessere Beziehung. Sie sind aufmerksam, rücksichts- und liebevoll. Irgendwann öffnest du dich dann für diese Beziehung und lässt dich darauf ein. Doch schon bald zieht sich der achso tolle Traumpartner zurück. Er/Sie wird schweigsamer, geht nicht mehr so sehr auf dich ein, zeigt sich teilweise uninteressiert. Du verstehst die Welt nicht mehr! Du fragst dich, was du wohl falsch gemacht haben könntest und buhlst darum die Gunst deines / deiner Ausgewählten wieder zu erlangen. Doch egal, was du tust, alles scheint nichts zu bringen. Dieses hin und her geht so lange weiter, bis du eines Tages zu dem Ergebnis kommst, dass all deine Bemühungen wertlos sind und es wohl, dass Beste ist, wenn du gehst. Das merkt dein "toxischer" Partner intuitiv und zack! ist er wieder wie am Anfang. Liebevoll, aufmerksam, interessiert, toller als je zuvor. Du bist am Ende deiner Träume und begibst dich wieder in die Beziehung mit all deiner Liebe und Kraft. Genau dann zieht sich dein Partner wieder zurück und das Spiel beginnt von neuem.

So lange du die Hoffnung noch hast, dass der Partner tief in seinem Inneren ja wieder so werden könnte, wie am Anfang, wenn du dich nur redlich bemühst, bist du verloren.

Auch hier leidet dein Selbstwert massiv. Das ist der Grund, dass selbst, wenn du die Trennung schaffst, du nachhaltig durch die Beziehung geprägt bist und entweder niemandem mehr vertraust oder wieder an einen toxischen Partner gelangst.